BlumenTodErde
Ein Rollenspiel

Das hier ist ein kleines Rollenspiel, welches ich über die Internetplattform "Knuddels" mit einer Freundin gespielt habe.

 

Mein Charakter ist ein schizophrener und fanatischer Mönch, ihres so eine Art Wanderhure, glaube ich. Doch lest selber:

 

Rollenspiel: Schneefelder            Anfang: 14.04.2009
Fantasy

la maitresse du diable | Elodion




Es war ein kalter Wintertag, der langsam seinem Ende entgegenging. Das Licht wurde immer weniger, auf die Sonne hatte man eh verzichten müssen. Dichte Wolken zierten den Himmel und ließen ein paar Schneeflocken auf die Erde niederfahren, die den Boden einer kleinen Stadt bedeckten, sowie die Häuserdächer. Inmitten der Schneeflocken wanderte ich, in einen dicken, schwarzen Mantel gehüllt und fröstelte etwas vor mich hin. Ich hatte etwas löchrige Stiefel an den Füßen, denn mehr konnte ich mir nicht leisten. Mein Gott hatte für mich kein großes Talent ausgesucht, welches viel Geld brachte, alles was er mir vermacht hatte war die Fähigkeit Männern den Himmel auf Erden zu bescheren, doch dies war nicht sehr ertragreich, da es auch ein sehr verhasster Beruf war. Ich blieb nicht lange in einer Stadt, da die Menschen schnell anfingen mich schief anzuschauen, wenn sie von meinem Beruf erfuhren.

Unter der Kapuze leuchteten meine grünbraunen Augen hervor und man sah sogar ein paar Strähnen meiner kastanienbraunen Haaren, die das blasse Gesicht umrahmten. Vielleicht war ich auch schöner als andere Menschen, was sie neidisch machte, jedenfalls mochten mich die wenigsten, deshalb war ich eine Alleingängerin, was sich ausgezahlt hatte. Seit ich 13 war lebte ich nicht mehr bei meinen Eltern, sie hatten kein gutes Verhältnis zu mir gehabt und ich war einfach abgehauen. Man konnte mich als Vagabund bezeichnen, der durchs Land reiste, doch ebenso war ich ein Pilgerer auf der Suche nach Gott, der immer bei mir war und doch immer fern. Ich zählte nun schon 23 Jahre, war eher mager, doch irgendwie lebte ich immer weiter. Zu essen hatte ich nicht immer genug, aber verhungern tat ich auch nicht. Halb-erfroren trat ich in eine Taverne und setzte mich an einen Tisch am Rande.



Eine Wand aus Schnee erstreckte sich vor Elodion. Schon seit drei Wochen war er am wandern. Er suchte einen Ort um zu predigen, einen Ort, wo der andere Gott noch nicht so mächtig war, als das man ihn mit Stöckern und Fackeln jagen sollte, nachdem er sich als Sohn Tjureds zu erkennen gab. Er nahm einen tiefen Schluck Wein aus seinem gegerbten Trinkschlauch, wischte sich mit dem Handrücken den Mund ab und stapfte weiter. Nach nur wenigen Metern blieb er abermals stehen. Dies war keine Schneewand, musste er feststellen, das war eine große Eisfläche, bis zum Horizont. Er nahm noch einen tiefen Schluck ob des Anblickes, der sich ihm offenbarte. Das konnte ein Zeichen Gottes sein, überlegte er sich, soviel Reinheit, soviel Schönheit, wie sie vor ihm war, war das doch ein Gang zum Himmel. Und natürlich war der Weg in den Himmel schwierig. Man musste ein gutes Leben führen, ein ehrliches voller Arbeit.

Und dieser Weg, so wusste Elodion doch sofort, war ein langer, müssiger Weg, den er bewältigen musste. Dort, ganz sicher dort würde sein Weg in den Himmel anfangen, genau dort, wo dieser Weg hier zuende war. Dort mussten Ungläubige seien. Ein Schritt weiter zu seiner Lebensaufgabe, die Gott ihm in einem Traum übertragen hatte. Nach diesen Gedanken war ihm die Eisfläche willkommener denn je. Frohen Mutes setzte er einen Fuß vor den anderen, immer weiter auf das Eis hinaus, wo er dann entkräftigt liegen blieb.



Ich kaufte mir ausnahmsweise mal was zu essen und ließ mir eine Flasche vom billigsten Schnaps bringen. Als das Essen vor mir stand murmelte ich leise In nomine Patris et Filii et Spiritus Sancti. und fuhr mit meiner Hand über meine Stirn, mein Herz, meine linke & meine rechte Schulter. Ich sprach ein leises Gebet in dem ich mich für das Essen bedankte bevor ich es aß. Ich hatte meinen Umhang abgelegt und man sah mich nun in einem einfachen Kleid, das etwas zu tief ausgeschnitten war, doch dazu trug ich wegen des Winters ein paar wollene Arm- und Beinwärmer, die mich etwas warmhielten. Die Taverne wurde von einem Kaminfeuer erwärmt und ich taute etwas auf. Als ich fertiggegessen hatte bezahlte ich und blieb noch etwas sitzen. Die Hälfte der Schnapsflasche war nun leer und ich entschuldigte mich in Gedanken bei Gott für die Sünde meiner Gier nach Alkohol. Die Blicke der Tavernenbesucher wurden immer unerträglicher, sie schauten mich verachtend an

Ich war nun seit ein paar Wochen in der Stadt und hatte mir eine Arbeit in dem Freudenhaus gesucht, was eher klein war, doch ein wenig Arbeit hatte es dort gegeben. Ich musste jedoch weiterziehen, wie ich an den Blicken der Menschen spürte. Sie waren eher unreligiös, hatten keine Kirche im Dorf, doch ich wich trotzdem von ihren Moralvorstellungen ab. Ich legte meine Umhängetasche über die Schulter, packte die Schnapsflasche ein, zog den Umhang darüber und verschwand mit gesenktem Kopf im Schneegestöber. Schnellen Schrittes verließ ich die Stadt. Ein langer Pfad führte durch Felder und über Hügel von der Stadt weg. Nachdem ich ein bisschen gelaufen war sah ich etwas am Boden liegen. Ich kniete mich nieder und drehte die Gestalt auf den Rücken. Wie ich sah war es ein junger Mann, der gutmütige Gesichtszüge trug. Ich schüttelte ihn etwas an den Schultern. Aufwachen. sagte ich mit meiner sanften, leisen Stimme und sah ihn etwas besorgt an.



Elodion träumte wahnsinnige Träume von Gnade und Verzeihen, von erhabenen Momenten, für die Ewigkeit. Gottes Reich, um ihn herum. Er in dem Reich Gottes. Überall war nur weiß. Er fühlte sich geborgen, war es auch seine Lieblingsfarbe. Schon früh war er zum Glauben gekommen. Seine Eltern waren beide Diener Tjured's und somit wurde schon jung zum Priester geweiht. Es war ein Traum von der Vergangenheit, der sich vor seinem geistigen Augen abspielte. Wollte Gott mit ihm ins Gericht? Wollte Gott ihm sein Leben vorhalten? Sollte er selber über sich richten? Er wimmerte leise in seinem Fiebertraum. Die Frauen, der Alkohol. Nicht immer hatte er das beste getan. Nicht immer das, was Gott am zuträglichsten war. Wollte er Gott denn nicht gefallen? Er fühlte sich immer so einsam, dass nur Gott bei ihm war.

Doch nicht immer sprach Gott auch zu ihm und manchmal, wenn er sprach, verstand er ihn nicht so gut, wusste nicht, was Gott wollte oder warum. Er wollte die Frau nicht umbringen. Aber, aber Gott hatte es ihm aufgetragen, hatte ihn angeschrieen, gesagt, sie sei böse. So hatte er es getan. Er hätte sich nicht wundern müssen, warum er dort gejagt wurde. Keiner hatte verstanden, warum Gott der Frau den Tod wünschte, keiner wollte auf Elodion hören, als er sagte, er handelte durch Gott. So war er weitergelaufen, bis hierhin.



Ich rüttelte weiter an dem Fremden, der sich in scheinbar seltsamen Träumen umherwandt. Wacht auf. sagte ich etwas lauter und hielt ihn leicht fest, da er sich zu viel umherwandt. Ich löste eine Hand von seiner Schulter und legte sie an seine Stirn. Ich löste nun auch die andere Hand und hielt sie an meine Stirn. Er war viel zu warm, als litte er unter Fieber. Gott, gib mir die Kraft dieser armen Seele zu helfen... murmelte ich leise und legte ihm meinen Umhang um, auch wenn mich die Kälte nun packte. Wacht auf! rief ich ihm nun zu, da ich nicht genug Kraft hatte um ihn ganz bis in das Dorf zurückzutragen, er musste schon selber gehen. Ich fing an zu zittern und meine Lippen nahmen einen leichten Blaustich an. Jetzt wacht doch schon auf... murmelte ich und nahm ein paar kräftige Schlucke aus der Schnapsflasche, damit mir wärmer wurde, damit es sich so anfühlte als sei mir wärmer, doch besonders viel brachte dies nicht. Ich stand auf und bewegte mich etwas und trat unsanft gegen die sich immer noch windende Gestalt am Boden. Wacht nun endlich auf... murmelte ich als er anfing vor sich hinzureden.



Elodion schrak auf. "Du bist der Teufel!", schrie er nur, und sackte wieder zusammen. "Gott, Du hast mich verlassen. Du hast mich verlassen. Verlassen. Verlassen!", er schluchzte vor sich hin. Er guckte auf seine Hände, wollte nicht fassen, was er in seinem Leben schon falsches mit ihnen gemacht hat, nur um dann von Teufeln gefunden zu werden. Da fiel ihm auf, das seine Hände blau waren. "Ich bin nicht in der Hölle. Ich bin nicht in der Hölle! Ich bin's nicht, ich bin's nicht, ich bin's nicht!", er jauchzte laut. "Ich friere.", er fing an hysterisch zu lachen. "Ich friere, huhahaha! Mir ist kalt. Hahaha!", plötzlich schien alle Euphorie von ihm gewichen. "Ich erfriere, mir ist kalt.", stellte er kleinlaut fest. Nun fing er wieder an zu schluchzen. "Ich sterbe, ich sterbe. Warum helft ihr mir denn nicht?", nun schrie er die Frau an, "Helft mir doch, ihr gottlosen Kreaturen, warum lasst ihr mich hier in der Kälte?". Er legte seine Arme um seine Knie und wippte hin und her. "Ich will nicht sterben, ich bin nicht tot, ich will nicht sterben. Ich lebe, ja, ich lebe.", murmelte er vor sich hin.



Ich hab Dir doch schon meinen Umhang gegeben, du undankbarer Scharlatan. murmelte ich und hüpfte weiter herum, denn die Kälte stieg immer mehr in mich hinein und brannte in mir. Mir war es nun genug. Ich packte den Fremden unter den Armen, zog ihn auf die Beine und schleifte den sich windenden, vor sich hinmurmelnden Fremden mit mir. Mein Umhang lag fest um ihn, eigentlich durfte ihm nicht kalt sein, dafür war ich schon halb erfroren. Für eine Frau hatte ich schon ein wenig mehr Kraft. Neben meinem Beruf als Freudenmädchen arbeitete ich hart auf verschiedenen Bauernhöfen, wo ich fleißig mithalf, was mir einige Muskeln gebracht hatte. Es war zwar nicht leicht, doch ich schaffte es den Verrückten bis in die Taverne, in der ich gewesen war, zu bringen und ihn dort vor dem Kamin auf einen Stuhl zu setzen.

Ich ging zu dem Wirt, dem ich erklärte, dass ich diesen Wahnsinnigen auf meinem Weg aus der Stadt gefunden hatte und dass ich Hilfe brauchte. Er zeigte sogar Hilfsbereitschaft und bot an ihm ein kostenloses Essen zu geben. Dieses Angebot nahm ich dankend an und ließ dem Fremden einen Teller mit Kohl und Rüben bringen, das einzige, was es im Winter gab. Er hatte sogar Glück; ein Stück Fleisch gab es dazu auch, zwar ein kleines Stück Pökelfleisch, aber besser war es allemal als gar nichts.



Elodion beäugte misstrauisch das Essen. "Und das ist auch ganz sicher nicht vergiftet?" Nun fing er an zu schreien. "Ihr steckt doch alle unter einer Decke. Ihr alle.", er wies auf alle Gäste. "Ihr wollte mich vergiften und ausrauben, doch nein. Hahaha, so läuft das hier nicht. Nicht mit mir. Mit mir geht das nicht!" Er nahm ein Stück Rübe und biss davon ab. "Mit mir geht das nicht, habt ihr gehört." Nun wies er auf die vollbusige Frau, die ihn gerettet hatte: "Und sie ist der Teufel, hört ihr, der Teufel!" Er nahm einen weiteren Bissen. Schmatzend wies er auf seine Retterin: "Sie hat mich gerettet. Doch hat sie blondes Haar? Sie ist kein Engel. Kein Engel hat mich gerettet.", nun fing er zu weinen an, "Gott, Du hast mich in Stich gelassen. Überall nur Dämonen. Teufel, böses Pack." Elodion wies auf einen beleibten Mann, der ihm mit schreckensgeweiteter Miene anblickte. "Und Du, ja Du... Du bist der Oberteufel, gib es zu!"

Wütend sprang Elodion den verdutzten Mann an. Schnell sprangen dem keuchenden Mann zwei andere zur Hilfe und hielten Elodion fest. "Ihr hasst mich.", seufzte Elodion, "warum hasst ihr mich denn nur? Ich habe doch nichts getan." Er guckte unschuldig von einem zum anderen.



Natürlich, der Teufel... murmelte ich und legte die Hand um das Kreuz meines Rosenkranzes, den ich immer um den Hals trug. Gott, steh dieser hilflosen Seele bei, die vom Wahnsinn gepackt wurde.. murmelte ich leise und rieb sanft an dem Kreuz. Ich war zwar keine Kämpferin, doch ich schaffte es den Wahnsinnigen aus den Armen der Besucher, die ihn festhielten zu befreien und ihn auf den Boden zu drücken. Ich hielt meine Hände fest auf seinen Schultern und sah ihn eindringlich an. Beruhigt Euch endlich, junger Herr, Euer Verstand ist völlig vernebelt... In meinen grünbraunen Augen strahlte nichts als sanfte Besorgnis, Ehrlichkeit und Güte. Ich war kein sehr kalter Mensch, eine recht warmherzige, gute Person, wie ich hoffte. Ich tat nichts Böses, außer dass ich mit meiner Vollbusigkeit und Schönheit die Männerköpfe verdrehte. Manche christliche Dörfer hatten mich schon als Hexe anklagen wollen, doch ich war schnell genug verschwunden. Ich wandte den Blick nicht von seinen Augen ab, versuchte ihm klarzumachen, dass ihm hier niemand etwas tat, damit er sich endlich beruhigte und nicht so um sich schlug und rumschrie.


Elodion blickte sie fassungslos an. "Ein Engel, ein Engel." Er sah in ihre Augen. "Schönes Weib, ihr müsst ein Engel sein. Ein Engel." Er versuchte sich unter ihrem Gewicht hochzudrücken, doch es gelang ihm nicht. "Hört ihr Leute, ein Engel ist an einem so schäbigen Ort.", rief er den staunenden Menschen zu. Der Wirt guckte böse. "Ein wahrlich dreckiger Ort ist das hier. Kann man hier auch was Essen?" Ein Gast reichte ihm den Teller, der noch auf dem Tisch stand. Gierig verschlang Elodion ein Stück. Die Frau hatte ihren Griff gelockert. "Es s'meckt vorzü'glisch.", schmatzte Elodion. "Schutes Eschen. Möscht MyLady auch wasch?" Er sah in ihre Augen. "Eschen, wollt ihr ausch wasch?" Er rülpste laut. "Ich gebe Eschen ausch, alle, für alle." Er rülpste nochmal. "Gibt's auch Wein? Wein für den Mönchen!"



Ich lachte etwas und schüttelte den Kopf. Esst ruhig und erholt Euch etwas, Ihr seid ja fast erfroren. Ich nahm meine Hände von seinen Schultern und schaute ihm fasziniert beim Hinunterschlingen zu. Passt aber auf, dass ihr nicht erstickt. sagte ich lachend und steckte dem Wirt das Geld für das Essen zu und ein bisschen mehr, dafür, dass er sich so daneben benomm. Wenn ich jemandem half wurde mein Geldbeutel immer ein bisschen dünner. Ich musste weiterziehen und wieder Arbeit finden. Im Winter fand man jedoch auf den Höfen nicht viel Arbeit und die Freudenhäuser waren dann meist auch eher leer, da niemand genug Geld hatte zu der kargen Jahreszeit. Ich beugte mich etwas zu dem Fremden. Habt Ihr genug Geld für ein Zimmer? Ihr solltet etwas schlafen. murmelte ich leise und blickte ihn fragend an.



Elodion lachte. "Ich habe sogar Geld für Wein, Engelchen." Er rief dem Wirten zu: "Wo bleibt mein Wein, Wirt. Man bringe dem Mann Gottes Wein." Seine Augen funkelten im Fieberwahn. "Da war ein Drache,  groß und böse. Der sagte, Wein ist gut für alle. Wein für alleee. Und er war groß. Groß und böse. Der arme hatte sogar einen Schatz, 'ne ziemlich kalte Angelegenheit, wenn ihr mich fragt. Doch trotzdem konnte er fliegen. Ganz weit weg flog er. Nach oben. In den Himmel. Dann ist er gefallen. Bis zum Boden.", Elodion blickte in die Runde, "Und der Schatz ist unbewacht, hört ihr, unbewacht!" Feixend blickte er zu der Frau. "Elodion is' mein Name, Weib. Und der Drache, habt keine Angst, wird euch gewiss nicht belästigen.". Bei diesen Worten schielte er zu dem dicken Mann und flüsterte ihr zu: "Aber der Kerl, der sollte aufpassen. Der gibt was her!"



Mein Name ist Selnia. log ich ihn an. Ich verriet niemandem meinen wahren Namen. Den Grund dafür verschwieg ich meist selbst mir. Der Wirt brachte nun etwas misstrauisch den Wein und stellte ihm die volle Flasche auf den Boden neben ihm. Langsam machte ich mir doch etwas Sorgen um ihn, er war völlig fiebrig, brauchte etwas Bettruhe, man sollte ihm Kräuter geben, die das Fieber hemmten, seinen Wahnsinn stoppten. Wollt Ihr Euch nicht doch lieber in ein Bett legen und Euch gesundpflegen lassen? fragte ich vorsichtig und strich ihm mit meinen unterkühlten Fingern sanft über die heiße Stirn. Euch geht es nicht gut, Ihr braucht Ruhe und Schlaf, ein bisschen Fürsorge noch dazu und dann seid Ihr bald wieder gesund, bestimmt. Ich legte meinen Handrücken sanft an seine Wange, die ebenso heiß war wie seine Stirn und seufzte tief. Da die medizinische Versorgung eher gering war, war es angebracht auch um sein Leben zu bangen... Er schien ein netter, junger, gutmütiger Mann zu sein, den man lieber retten sollte.



"Gesundpflegen, wer sollte mich schon gesundpflegen wollen? Genau, niemand! Niemand interessiert sich für Elodion. Ach, armer Elodion, armer Elodion." Alle seine Erinnerungen kamen in ihm hoch, allerdings auf verzerrter Art und Weise. "Vielleicht sollte ich ein Freudenmädchen bezahlen. Diese sind immer so nett zu einem. Gute Frauen, liebe Frauen. Ich mag diese Frauen!", seufzte er. "Ihr, ihr seid doch in Wirklichkeit ganz anders. Nein, man rufe ein Freudenmädchen. Eine Hure. Die wird mich schon warm bekommen, in Gottes Namen wird sie mir zu helfen wissen. Das was ich nun brauche,", er blickte Selnia an, "ist eine Hure." Er trank seinen Wein in großen Schlucken, dann kippte er nach hinten um und blieb regungslos liegen. "Ist er tot?", kicherte der dicke Mann von vorhin.



Du bist doch ein Freudenmädchen. stellte der dicke Mann fest. Nimm ihn in ein Zimmer und treib ihm seinen Wahnsinn aus. Ich blieb ruhig und nickte etwas. Tragt ihn rauf in ein Zimmer, ich kümmer mich um ihn. Und wegen der Bezahlung... Wenn er nicht genug Geld hab übernehm ich das schon. Die Männer zeigten sich hilfsbereit un trugen ihn in eines der Zimmer. Ich folgte der kleinen Truppe und als er im Bett lag und die anderen Männer verschwanden legte ich meine Tasche ab und nahm ihm meinen Umhang ab, den ich über einen Stuhl hing. Ich deckte ihn fürsorglich zu und holte ein kleines Tuch, das ich im kalten Wasser tränkte, das in einer Ecke des Raumes in einer Wanne stand. Ich legte ihm dies auf die Stirn bevor ich mich dem Kamin im Raum widmete, den ich mit Mühe und Not anfeuerte. Ich kniete mich neben das Bett und schaute ihn besorgt an. Ich faltete meine Hände und fing an für ihn zu beten.



Elodion seufzte. "Lass mich das Gebet leiten." Er guckte sie an, schien ein Nicken wahrzunehmen. "Oh Tjured,", polterte er los, "Tjured, unser aller Gott, hab' Dank für den Tag und unser Leben." Schon hörte man Fussgetrappel auf der Treppe. "Oh großer und mächtiger Tjured!" Die Tür schlug auf, drei Männer mit Knüppeln stürmten ins Zimmer, schienen bereit zu sein, den Mönchen niederzuschlagen, bis sie erkannten, das er gar nicht die Frau angriff, sondern seine Hände den Himmel reckte und demonstrativ seine Augen immernoch geschlossen hielt. "Wir dachten, wir dachten er greift euch an, Mylady. Es tut uns leid für die Störung.", sagte einer der Männer, der sich auch schnell wieder aus dem Raum verzog. "Dürfen wir, dürfen wir mitbeten?", stammelte ein anderer. Sie schienen sich entschuldigen zu wollen. Polternd fuhr Elodion vor, dem Herren für alles zu danken, was ihm wohl in den Sinn kam. Die Männer hörten geduldig zu, nickten ab und zu und verschwanden am Schluss. Elodion seufzte. "Fällt Dir noch etwas ein, Selnia, meine Liebe?"



Das ist nicht mein Gott zu dem Ihr betet.. murmelte ich. Erzählt mir von Tjured und wenn Ihr wollt erzähle ich Euch von Jahwe. Ich wischte ihm sanft mit dem kalten Stoff über das Gesicht, bevor ich wieder zu dem Wasser ging und den Stoff auswusch und mit neuem, kalten Wasser aufsaugen ließ. Ich kniete mich wieder ans Bett und tupfte sanft über sein gerötetes Gesicht. Ihr könnt Eurem Gott noch dafür danken, dass ich Euch fand, sonst wärt ihr wohl armselig erfroren, nicht? Ich zog mir meine kaputten Stiefel nun aus und hockte mich an die Bettkante, sodass meine Hüfte etwas an seinen Bauch stieß. Ich dachte daran, dass es eine gute Tat war ihm zu helfen und dass das meine Sünden vielleicht etwas wettmachte. Ich war nicht immer ein gutes, braves Mädchen gewesen. Ich hatte mich auch schon als Diebin durchs Leben geschlagen, als ich nichts anderes fand. Doch meine schlimmste Tat war wohl der Mord an meinem Bruder gewesen, doch ich beruhigte mich damit, dass es Notwehr war, auch wenn das nicht viel half, ich hasste mich dafür trotzdem.



"Und wir danken Dir, meinen Gott, für meine Rettung, auch wenn das der Teufel war. Aber kann es den Teufel nicht nur wegen euch geben, als Gegensatz? Also auch Danke für den Gott meiner Retterin. Hihihi.", er gluckste vergnügt vor sich hin. Schlagartig wurde er wieder ernst. "Es gibt keinen Gott, ausser den Gott und es ist Dein Gott, mein Gott, unser aller Gott." Elodion gestikulierte wild. "Er ist der Erschaffer alles guten, alles prächtigen und anbetwürdigen. Er schaffte die Vögel, die Täler, die Berge und den Wein. Tjured ist ein Gott der Barmherzigkeit. Zwietracht verurteilt er. Lügen verurteilt er. Böses verurteilt er!" Der Mönch soff in einem Stück die Weinflasche aus. "*hicks* Gott ist mein Vater. Gott ist Dein Vater! Wir sind also seine Kinder. Gott wollte, *hicks*", Elodion fasste ihr ungeschickt in den Schoß, "das seine Kinder sich vermehren." Er zerschmiss seine Weinflasche an der Wand. Nach dem Klirren schüttete er kurz den Kopf und schrie laut: "Das gehört noch alles zur Zeremonie." Er wollte nicht, das wieder Männer hochgestürmt kamen. Er war müde. Elodion drehte seinen Kopf weg von ihr und hickste nochmal.



Ihr werdet dafür aber bezahlen müssen. Ich grinste ihn an und griff sein Handgelenk. Wenn Ihr bezahlt dürft Ihr weitermachen. Ich war bloß eine Hure, die man für ihre Dienste bezahlen musste. Zum Vermehren müsste er sich eh eine andere Frau suchen. Die Männer saßen hinter der Tür und achteten einfach darauf, dass nichts passierte. Sie arbeiteten manchmal in dem kleinen Freudenhaus der Stadt und passten auf die Freudenmädchen auf, daher kannte ich sie und sie wussten genau, dass ich schrie falls ich Hilfe brauchte. Ich griff in seine Hosentaschen und fand auch was ich suchte: einen Geldbeutel. Ich lunste in den Geldbeutel hinein und überprüfte den Stand seines Geldes, schließlich war ich nicht gerade reich und konnte es gut gebrauchen für meine Hilfe entlohnt zu werden, beziehungsweise für meine Gefälligkeiten. Na gut.. murmelte ich und ließ sein Handgelenk los und seinen Geldbeutel ließ ich auf dem Nachttisch liegen. Ich mache Euch sogar einen Sonderpreis. Ich legte meine kühle Hand sanft an seine Wange und schaute ihn mit einem sanften, musternden Lächeln an.

3.6.09 21:39
 


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